Samstag, 14. Juli 2018

[ich mag] Yoko Tsuno







Ich schreibe hier ja eigentlich nur über Bücher und Hörbücher, aber ab und zu lese ich auch gerne Comics. Bereits seit meiner Kindheit schätze ich da besonders die frankobelgischen Reihen. "Asterix", "Tim und Struppi", "Lucky Luke", "Gaston", die meisten meiner bevorzugten Comics wurden von Belgiern erschaffen. Keine Ausnahme bildet da "Yoko Tsuno" von Roger Leloup.

Yoko Tsuno ist wahrscheinlich nicht gar so bekannt wie ihre männlichen Verwandten Tim, Asterix, Lucky Luke und wie sie alle heissen. Yoko ist eine junge Japanerin, die zusammen mit ihren Freunden Vic und Knut in der Welt herumgondelt, dabei immer wieder spannende Rätsel aufzuklären hat und meist in tödliche Gefahr gerät. Nicht selten trifft sie dabei auf die ausserirdischen Vineaner, die abgesehen von ihrer blauen Haut wie Menschen aussehen und sich auf der Erde vor der Zerstörung ihres Planeten in Sicherheit gebracht haben.

Der Erschaffer der Reihe, Roger Leloup, scheint eine besondere Affinität zu Deutschland zu haben, mehrere Bände der Reihe spielen in deutschen Städten oder Burgen. Ansonsten spielen die Geschichten quer durch Europa und auch mal in Asien.

Gezeichnet wird "Yoko Tsuno" im Stil der sogenanten "Ligne Claire" mit klaren Konturen und ohne Schattierungen oder Farbverläufe. Diesen Stil kennt man beispielsweise auch von den "Tim und Struppi" Comics. Mir gefällt dieser Stil sehr gut, mag er vielleicht weniger "spannend" sein als andere, so sind die Bilder doch immer klar und deutlich zu erkennen.

Als Kind war ich besonders davon begeistert, dass hier eine starke Frau die Hauptrolle spielt. Zwar gehören auch zwei Männer zu den Protagonisten, aber Yoko selbst ist nicht nur schön und intelligent, sondern auch körperlich sehr fit und durch ihre Aikido-Kenntnisse den meisten Gegnern körperlich überlegen (die sie ohnehin aufgrund ihres Aussehens und Geschlechts unterschätzen). So etwas war in den späten 1980ern und frühen 1990ern sehr selten (und auch heute noch nicht der Normalfall), in den meisten Comicreihen mussten sich Frauen mit der Rolle der "Damsel in Distress", die vom männlichen Hauptdarsteller gerettet werden muss, oder der üblen Nervensäge zufriedengeben (zumindest in den europäischen Comics. Amerikanische oder japanische führte unsere Stadtbibliothek nicht, daher habe ich als Kind nie welche gelesen). Aber auch heute noch können mich die Abenteuer von Yoko, Vic und Knut begeistern. Die Bilder finde ich ansprechend und die einzelnen Geschichten sind spannend und immer wieder auch überraschend gestaltet. Meist laufen die Bände auf eine Art Krimi mit mystischen Elementen hinaus, bei dem ein übersinnlicher oder ausserirdischer Fall (oder zumindest ein Fall, der so gelagert zu sein scheint) zu lösen ist.

Die Reihe umfasst mittlerweile 28 Bände, die nur noch in Form von Sammelbänden erhältlich sind (die sind leider nicht chronologisch, sondern thematisch aufgeteilt, was ich ziemlich doof finde. Wenn man die Bände in der Erscheinungsreihenfolge lesen möchte, muss man ständig zwischen den einzelnen Sammelbänden hin und her wechseln). Ich gehe nicht davon aus, dass noch weitere Bände erscheinen werden. Roger Leloup lebt zwar noch, aber ist mittlerweile 85 Jahre alt. Aber vielleicht täusche ich mich ja und Yokos Abenteuer sind noch nicht zu Ende?



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