Samstag, 28. Januar 2017

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin


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von Lilly Lindner



Leseprobe
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Inhalt


April ist fort. Seit Wochen kämpft sie in einer Klinik gegen ihre Magersucht an. Und seit Wochen antwortet sie nicht auf die Briefe, die ihre Schwester Phoebe ihr schreibt. Wann wird April endlich wieder nach Hause kommen? Warum antwortet sie ihr nicht? Phoebe hat tausend Fragen. Doch ihre Eltern schweigen hilflos und geben Phoebe keine Möglichkeit, zu begreifen, was ihrer Schwester fehlt. Aber sie versteht, wie unendlich traurig April ist. Und so schreibt sie ihr Briefe. Wort für Wort in die Stille hinein, die April hinterlassen hat.
(Quelle: Fischer)


Meine Meinung


Seit Phoebes Schwester April wegen ihrer Magersucht in eine Klinik gebracht wurde, fühlt sich Phoebe einsam. Sie schreibt April Briefe, auf die sie jedoch nie eine Antwort erhält…

Das Buch ist als Briefroman gestaltet. In der ersten Hälfte werden die Briefe von Phoebe an April gezeigt, in der zweiten die von April an Phoebe. Mir ist aufgefallen, dass die beiden Protagonistinnen in ihrem Schreibstil sehr ähnlich dargestellt werden. Hier hätte die Autorin Lilly Lindner noch mehr Unterschiede einbauen können, um zwei klarer voneinander abgrenzbare Charaktere zu schaffen.

Phoebe als Figur erschien mir sehr unglaubwürdig. Einerseits plappert sie in ihren Briefen munter vor sich hin, wie man es von einer Neunjährigen erwarten würde, und schreibt oft kindlich-naiv („wenn man arm ist, dann muss man ständig sparen und kann nicht in den Urlaub fahren oder ins Restaurant gehen“). Dann wieder lässt sie Satzgebilde wie das folgende raus: „Die Zeit ist sowieso ein merkwürdiger Ort. Sie verläuft sich in ihren eigenen Kreisen und verschiebt sich entgegen der Erdumdrehungsachse. Als wollte sie sich davonmachen und in einem schwarzen Wurmloch verschwinden, damit sie ja nicht mehr dabei sein muss, wenn wir alle zusammen den Stillstand ausrufen.“, während sie fest zeitgleich stolz erklärt, sie könne jetzt schon ganz alleine den Computer einschalten und etwas ausdrucken. Das ist einfach inkonsequent gestaltet und lässt sich auch mit einem „sie ist halt ein Wunderkind“ nicht erklären (vor allem, weil das ausser bei der überbordenden Sprache sonst nirgends rüberkommt). Hätte die Autorin ihre Figur etwas älter gestaltet, wäre sie glaubwürdiger und realistischer übergekommen.

Mit April hingegen hatte ich einfach nur Mitleid. Kein Wunder, hat sie eine Essstörung entwickelt, so abschätzig wie sie zu Hause behandelt wurde. Egal was sie gemacht hat, immer war es falsch. Als ihre Depressionen begonnen haben, haben es sie Eltern nur noch schlimmer gemacht. Welche liebende Mutter beschimpft bitteschön ihr Kind als dumm, nachdem es sich mit einer Rasierklinge verletzt hat, um den seelischen Schmerz zu betäuben?! Und die Klinik, die ihre Eltern ausgesucht haben, scheint auch nicht viel Wert zu sein. Von einer sinnvollen Psychotherapie wird jedenfalls nichts erwähnt. Wie soll jemand wieder gesund werden, wenn er von allem fern gehalten wird, wofür es sich lohnen würde, gesund zu sein, von Familie, Freunden, Hobbies? Hintergründe zur Magersucht werden übrigens kaum geliefert, es scheint eher, als wäre Aprils Magersucht in erster Linie ein Symptom ihrer Depressionen, und weniger eine klassische Essstörung. So fehlt beispielsweise die so verbreitete verzerrte Körperwahrnehmung, die eigentlich ein klassisches Merkmal einer Anorexia nervosa ist.

Wütend allerdings hat mich die Mutter von Phoebe und April gemacht. Sie arbeitet mit Pflegekindern, wird also wohl Sozialpädagogin oder etwas ähnliches sein, macht aber im Umgang mit April so ziemlich alles falsch, was man nur falsch machen kann. Sie versucht, sie mit essen vollzustopfen, schreit sie an, schiebt ihr die Schuld zu, wirft ihr vor, absichtlich krank geworden zu sein, nennt sie unausstehlich und eine Katastrophe und hält sie von ihrer kleinen Schwester fern, der einzigen in der Familie, der sich April noch nahe fühlt. Dabei sollte doch gerade eine Sozialpädagogin wissen, dass Vorwürfe und Strafen bei psychischen Erkrankungen (und Magersucht ist eine psychische Erkrankung) nicht helfen sondern nur schaden, und dass Freunde und nahestehende Personen lebenswichtig sein können.

Ebenfalls etwas negativ sind mir die Namen der Figuren aufgefallen (auch wenn sie ja eigentlich nicht wirklich relevant sind. Gestört haben sie mich trotzdem etwas). Die Geschichte spielt in Berlin, aber bis auf wenige Ausnahmen haben alle Figuren englische/amerikanische Namen wie Phoebe, April, Hazel, River, Devon, John… Wieso das, sind der Autorin nicht genügend Namen in den Sinn gekommen, die im deutschen Sprachraum verbreitet sind? Ich dachte zuerst, dass das Buch in den USA spielt, erst mit der Erwähnung, dass Hazel kein Englisch spreche, wurde ich stutzig.

Die Autorin Lilly Lindner verwendet wie erwähnt eine sehr blumige, poetische Sprache, sie jongliert mit den Worten, setzt sie neu zusammen, auf unerwartete Weise. Mir war das allerdings etwas zu viel, vor allem liess es die Protagonistinnen, allen voran Phoebe, unglaubwürdig wirken.

Mein Fazit

Zu blumige Sprache für meinen Geschmack, vor allem bei einer erst neunjährigen Protagonistin. Die Figuren überzeugen nicht.






Daggis Buch-Challenge

Aufgabe 44, ein Buch mit einen Protagonisten, dessen Vorname mit dem gleichen Buchstaben beginnt, wie Dein eigener Vorname. Mein Vorname beginnt mit A, gleich wie bei April


Lovelybooks Themenchallenge

Aufgabe 26, ein Buch, bei dem Vor- und Nachname des Autors mit demselben Buchstaben beginnt


ABC-Challenge der Protagonisten

Phoebe = P weiblich



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